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Geschichte des Karate

Karate, so wie wir es heute kennen, hat sich unter chinesischem Einfluss im Laufe etlicher Jahrhunderte auf der Insel Okinawa entwickelt.

Da es im Grunde genommen kein niedergeschriebenes Material von der Entstehung des Karate gibt, wissen wir weder wer es erfand und weiterentwickelte, noch woher es stammt. Seine früheste Geschichte kann nur von mündlich überlieferten Legenden abgeleitet werden. Und diese Legenden tendieren wie die meisten Legenden dazu, phantasievoll und ungenau zu sein.

ryukyu.jpg Die Geschichte erzählt, dass sich der Anfang des Karate auf die Ryukyu-Inseln bezog, die heute zu der Präfektur Okinawa gehören. Durch das Gesetz war es den Bewohner dieser Inseln verboten, Waffen zu tragen, deshalb haben sie Karate erfunden, weiterentwickelt und verbreitet. Diesen Grund, eine Kampfkunst zu entwickeln, kann man vielleicht leichter verstehen, wenn man die Geschichte Japans kennt. Vom Ursprung des Landes bis zum 2. Weltkrieg, gab es immer wieder Kriege. Waren es nun Bürgerkriege oder ein Machtkampf um ein Shogunat (Kaiserreich) oder aber um eine Besetzung der Mongolen im eigenen Land zu verhindern. Jahrhunderte lang wurde in Japan unterdrückt und gekämpft.

Tatsächlich gab es zwei Verbote: eines wurde vor ungefähr 500 Jahren verkündet, das andere 200 Jahre später. Vor der Bekanntgabe des ersten Erlasses waren die Ryukyu-Inseln in drei sich bekriegende Königreiche geteilt: Chuzan, Nanzan und Hokuzan. Es war der Monarch von Chuzan, der, nachdem es ihm gelungen war, die drei Königreiche zu vereinigen, allen Bewohnern der Ryukyu-Inseln den besitz von Waffen, (sogar von alten, rostigen Schwertern), verbot. Er lud alle berühmten Gelehrten und Staatsmänner der drei Königreiche nach Shuri, der neuen Hauptstadt ein, wo er eine Zentralregierung errichtete, die die nächsten 200 Jahre überdauern sollte.

Im Jahre 1609 musste der regierende König der Dynastie eine Armee ausrüsten, um eine Invasion der Inseln zurückzuschlagen, die von Shimanzu, dem Daimyo von Satsuma unternommen wurde. Die frisch bewaffneten Krieger Ryukyus kämpften mit bemerkenswerter Tapferkeit und Ritterlichkeit gegen die Soldaten des Satsuma-Clans, die im ganzen Lande wegen ihres Kriegskönnens  bekannt und gefürchtet waren. Aber nach Anfangserfolgen in kleineren Schlachten, besiegelte eine rasche Landung von Shimanzus Streitkräften sowohl das Schicksal der Inseln, wie auch ihres Monarchen, der sich ergeben musste.

Da Shimanzu das Verbotsedikt für Waffen erneuerte, begannen viele Bewohner der Ryukyu-Inseln heimlich eine Form der Selbstverteidigung zu üben, bei der Hände und Füsse die einzigen Waffen waren. Was für eine Art Selbstverteidigung es genau war, kann nur vermutet werden. Es ist jedoch bekannt, dass Okinawa bereits jahrhunderte lang Handel mit der Provinz Fukien in Südchina pflegte und wahrscheinlich bereitete sich deshalb das chinesische "Shaolin-Kempo" (Boxen) auf der Insel aus.

Aus diesem "Shaolin-Kempo" entwickelte sich das heutige Karate. Es war zuerst als "Okinawa-te" bekannt, erst später wurde es auch "Kara-te" (das "Kara" bedeutet in diesem Fall "China") genannt.

Während der Jahre des Waffenverbots, wurden von Satsuma Aufseher auf die Inseln gesandt, um die genaue Einhaltung des Verbots zu gewährleisten. So ist es kaum verwunderlich, dass Karate (welches, als es weiterentwickelt wurde, einen Mann in die Lage versetzte, ohne Waffen zu töten), nur im Geheimen geübt werden konnte. In den alten Volkstänzen Okinawas kommen eine Reihe von Bewegungen vor, die jenen des Karate gleichen. Es wird vermutet, dass Eingeweihte, die diese Kampfkunst im Geheimen übten, diese Bewegungen in die Tänze einführten, um die Obrigkeit weiter zu verwirren. Die Tänzer Okinawas, männliche wie weibliche, benutzten ihre Hände und Füsse weitaus energischer, als in Formen von anderen Tänzen zu sehen war. Auch das Betreten wie das Verlassen der Tanzfläche erinnerte stark an Anfang und Ende einer Karte-Kata. In der Tat hat man die Essenz der Kunst mit den Worten zusammengefasst: "Karate beginnt und endet mit Höflichkeit.". Okinawa selbst wurde jahrhunderte lang von seinen Bewohnern als der Ort betrachtet, wo alle Formen der Etikette am striktesten eingehalten wurden.


Kara-te, von der "chinesischen" zur "leeren" Hand

karateschrift_200.gifDie japanische Sprache ist weder einfach zu beherrschen, noch ist sie immer so eindeutig, wie sie es sein könnte: unterschiedliche Schriftzeichen können gleich ausgesprochen werden und ein einzelnes Zeichen kann verschiedene Aussprachen haben, was von der jeweiligen Bedeutung  abhängt. Der Ausdruck "Kara-te" ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür. "Te" ist einfach; es bedeutet "Hand/Hände". Aber es gibt zwei verschiedene Schriftzeichen, die beide als "Kara" ausgesprochen werden; eines bedeutet "leer" und das andere ist das chinesische Zeichen, das sich auf die Tang-Dynastie bezieht und als "chinesisch" übersetzt werden kann. Bis in die frühen zwanziger Jahre dieses Jahrhunderts war der Gebrauch des Zeichens für "chinesisch" bekannter, als der des Zeichens für "leer", um das Karate zu umschreiben. Oft wurde es auch "Bushi no te" (Hand des Krigers), genannt.

In den buddhistischen Schriften gibt es Erklärungen wie: "Shiki soku ze ku" und "Ku soku ze shiki", was wörtlich übersetzt, "Materie/Erscheinungen sind Leerheit" und "Leerheit wird zu den Erscheinungen selbst" bedeutet. Das Zeichen "ku", das in beiden Lehrsätzen auftaucht, wird auch "kara" ausgesprochen und es bedeutet die Wahrheit selbst. Heute wird ausschliesslich das Zeichen für "leer" verwendet. Es ist zweifellos das geeignetere, da es die Tatsache symbolisiert, dass diese Kunst der Selbstverteidigung keine Waffen verwendet, ausser den blossen Füssen und leeren Händen.


Der Weg des modernen Karate

In Okinawa gab es früher zwei Schulen, Nawate und Shurite und man glaubte sie wären mit den zwei Schulen des chinesischen Boxens verwandt, die Wutang- und Shorinji Kempo genannt wurden und ihre Blütezeit während der Yüan-, Ming- und Chin-Dynastie hatten. Die Gründung der Wutang-Schule wird auf Chang San-feng zurückgeführt, während vom Gründer der Shorinji-Schule behauptet wird, dass es Daruma (Bodhidharmma) selbst gewesen sei, der Begründer des Zen-Buddhismus. Beide Schulen waren der Überlieferung nach sehr populär und ihre Anhänger veranstalteten öfter öffentliche Demonstrationen.

Der Legende nach wurde die Wutang-Schule nach einem Berg in China benannt, auf dem dieser Stil geübt wurde, während Shorinji die japanische Aussprache des Shao-lin-Tempels in der Provinz Hunan ist, in dem Daruma den Weg Buddhas predigte. Der Sage nach waren seine Jünger körperlich nicht in der Lage, die Anforderungen zu erfüllen, welche die von ihm geforderten Übungen mit sich brachten. Nachdem viele von ihnen erschöpft waren, befahl er ihnen, am nächsten Morgen mit dem körperlichen Training zu beginnen, so dass ihre Seelen und Körper fähig würden, dem Pfade Buddhas zu folgen. Gleichgültig wie viele der Legenden wir als historische Wahrheit akzeptieren. Sicher ist, dass das chinesische Boxen über das Meer nach Okinawa kam, wo es sich mit einem einheimischen Stil des Faustkampfes vermischte, um so die Grundlagen dessen zu bilden, was wir heute als Karate kennen.

Früher waren die zwei chinesischen Boxschulen mit zwei Schulen Okinawas, Shorin-Ryu und Shorei-Ryu verbunden, aber welche Beziehungen genau bestanden, ist natürlich seit langem in Vergessenheit geraten. Dasselbe trifft für die Shurite- und die Nawate-Schule zu. Soviel bekannt ist, eignen sich die Techniken des Shorei-Ryu eher für gross gewachsene Menschen, während sich die Techniken des Shorin-Ryu besser für kleinere Leute mit weniger Kraft eignen. Die Grundlagen der heutigen Karatetechniken verbinden die Vorteile beider Schulen.